Clubplan: Im Club mit….Monsters Of Liedermaching

von 917xfm

 

 

 

Jeden Monat sprechen wir mit einer Hamburger Band oder einem/einer KünstlerIn über die hiesige Clublandschaft. Diesen Monat mit … Peer Jensen alias Pensen Paletti und Torsten Kühn alias Der flotte Totte von Monsters of Liedermaching.

 

Am 1. Mai spielt ihr im Logo wieder euer jährliches „Katerkonzert“. Seid ihr Fans von Frühshoppen?

Pensen: Zumindest von dieser Art Frühshoppen! Man trifft uns jetzt nicht morgens um zehn in irgendwelchen Bars, aber musikalisches Frühshoppen finden wir super.

Totte: Das Katerkonzert gibt es ja schon seit dem zweiten Jahr unseres Bestehens. Unser eigentliches Konzert war damals ausverkauft und es standen so viele traurige Menschen vor der Tür, dass wir beschlossen haben, am nächsten Mittag einfach noch mal zu spielen. Mittlerweile ist daraus eine echte Tradition geworden. Das Katerkonzert ist immer ein bisschen anders, weil wir die Setlist umbauen und sehr viel seltenere Perlen spielen.

 

Wer von euch hat dabei den größten Kater?

Pensen: Vielleicht Burger, weil er am seltensten trinkt. Aber das Schöne ist: Am 1. Mai haben ja alle frei, das heißt die Leute im Publikum sind immer genauso fertig wie wir. Es ist alles ein bisschen langsamer, ein bisschen leiser. Und Eberhard, der Chef vom Logo, stellt als Katerfrühstück Soleier und Rollmöpse für alle hin. Da herrscht immer eine sehr muckelige Atmosphäre.

Totte: Die auch deshalb entsteht, weil alle so unausgeschlafen und verkatert sind. Das ist ein sehr magisches, gemeinschaftliches Erlebnis.

 

Nicht nur „Katerkonzerte“, sondern auch reguläre Shows habt ihr in Hamburg schon etliche gespielt. Von welchem werdet ihr noch euren Enkeln erzählen?

Pensen: Auf jeden Fall von unserem ersten Konzert im Logo. Das war das erste Mal, dass wir in einem richtigen Rock-Club gespielt haben. Davor sind wir eher in kleinen Cafés und so aufgetreten, aber als wir zum Tourabschluss nach Hamburg kamen, waren da auf einmal 200 Leute. Nicht wie sonst bloß Kollegen und Kumpels, sondern echte Fans. Die haben richtig mitgegrölt und alles. Das war schon ein bisschen rockstarmäßig.

 

In welche Clubs oder Bars geht ihr privat am liebsten?

Totte: Zum Biertrinken gehe ich gerne ins Querbeet in Altona. Das ist so eine kleine, zugewucherte Kneipe. Für Konzerte mag ich die Markthalle, und das Logo natürlich. Zu dem Laden haben wir ja eine geradezu familiäre Bindung. Vor kurzem war ich ein paar Mal im Uebel & Gefährlich – auch eine sehr schöne Location.

Pensen: In der Fabrik bin ich auch gerne, und im Gruenspan. Das Molotow gefällt mir sehr gut. Ach, eigentlich sind alle Hamburger Clubs toll.

 

Pensen, du bist im Januar bei der Preisverleihung des Club Awards aufgetreten. Welchen Hamburger Club würdet ihr auszeichnen und wofür?

Pensen: Ich würde das Logo dafür auszeichnen, dass es nur mit Live-Musik überleben kann. Die meisten anderen Clubs veranstalten auch Partys – aber wenn das Logo seine Türen aufmacht, spielt immer eine Band. Das finde ich beeindruckend.

Totte: Vom historischen Wert würde ich die Markthalle wählen, weil Charles Bukowski dort seine einzige Lesung überhaupt in Deutschland hatte. Gibt es auch als Buch: „Die Ochsentour“. Das war eine Lesung (lacht). Außerdem haben dort Police gespielt, Nirvana – wenn man da erst mal anfängt aufzuzählen…!

 

Was macht denn einen guten Club aus?

Totte: Man kann jetzt natürlich sagen gute Musik, aber das bedeutet ja für jeden etwas anderes. Ich finde es immer wichtig, dass die Leute, die den Club betreiben, nett sind.

Pensen: Genau, nettes und üppiges Tresenpersonal, das einen nicht eine halbe Stunde warten lässt.

Totte: Und bei dem man mit Bargeld bezahlen kann – nicht etwa mit Getränkebons. Außerdem finde ich es ganz schön, wenn es noch Toilettenbrillen gibt. Also Personal, Bargeld und Toiletten – wenn das stimmt, hat man meistens auch einen guten Abend.

 

Wie würdet ihr die Hamburger Clublandschaft insgesamt beschreiben?

Totte: Bunt! Und ideologisch relativ vernünftig. Man findet hier keinen Club, der rechte oder konservative Einflüsse zulässt, oder? Ich habe das Gefühl jeder ist willkommen, das gefällt mir sehr gut. Allerdings muss ich auch sagen: Wenn man sich wie Hamburg Kulturstadt auf die Fahnen schreibt, sollte man schon dafür sorgen, dass nicht nur die E-Kultur gefördert wird, sondern auch die Popkultur. Ich glaube, dass das ein Problem werden könnte, weil es den Clubs und Veranstaltern immer schwerer fällt, sich selbst zu finanzieren. So entsteht ein Konkurrenzdruck, der wenig förderlich ist.

 

Mal angenommen ihr wärt Kultursenator, was wäre eure erste Amtshandlung?

Pensen: Was kann der Kultursenator denn alles machen? Der hat Geld und kann es ausgeben? Ich würde für jede Schule zwei Gitarren, einen Bass und ein Schlagzeug kaufen und eine Rock AG oder so einrichten, die ihr jährliches Abschlusskonzert in einem richtig coolen Club spielt. Da könnte man doch auf jeden Fall Geld versenken!

Totte: Ich würde auf jeden Fall die Clubs, die den Nachwuchs fördern, finanziell unterstützen. Und ich würde die Elbphilharmonie in Proberäume umwandeln! Die soll ja sehr gut klingen…

 

Träumen wir mal weiter: Wenn ihr selbst ein Konzert in Hamburg organisieren dürftet, wen würdet ihr buchen?

Pensen: Auf Tom Waits hätten wir glaube ich beide Bock.

Totte: Auf jeden Fall! Und ich würde ja The Who gerne mal live sehen. Aber kommen die nicht eh alle schon nach Hamburg?

Pensen: Dann vielleicht Paul McCartney.

Totte: Kann man da nicht ein Festival machen, mit Tom Waits, The Who und Paul McCartney?

Pensen: Genau, und das machen wir am Elbstrand. Die Bühne ist auf einem Ponton und das Publikum sitzt am Strand am Lagerfeuer. Dafür ist der Elbstrand natürlich viel zu klein, deshalb müsste das eine Woche lang gehen. Oder noch besser einen ganzen Monat.

 

Falls das doch nicht klappt – bei welchem Hamburger Konzert würdet ihr im April gerne auf der Gästeliste stehen?

Totte: Ich würde gerne am 28. April zu Rocko Schamoni in die Fabrik gehen, weil ich großer Studio Braun Fan bin, und zu Jochen Distelmeyer am 9. April im Knust. Ich mochte ja Blumfeld sehr gerne.

Pensen: Ich auf jeden Fall bei Method Man & Redman am 29. April in der Großen Freiheit! Und dann würden wir zusammen noch zu A-ha am 14. April in die Barclaycard Arena gehen, oder Totte? Das ist natürlich unfassbar cheesy, aber die haben tolle Popsongs gemacht.

Totte: Das ist so was, was man nachts um drei im Bandbus hört und mit leuchtenden Augen und echter Freude mitsingt.

 

Habt ihr noch ein letztes Wort an die Hamburger Clubgänger?

Totte: Geht auf Konzerte und missioniert eure Freunde!

Pensen: Genau, denn eine Band live zu sehen, ist einfach etwas anderes, als eine Platte zu hören. Ich sag mal so: Live is live!

 

Das Interview führte Nadine Wenzlick.

 

 

ZUR BAND

Die Anfänge der Gruppe liegen beim Hamburger Rockspektakel 2003: Eigentlich sollten die Mitglieder dort alle einzeln auftreten, allerdings beschlossen sie spontan den Auftritt gemeinsam zu absolvieren. Die Monsters of Liedermaching waren geboren. Seitdem hat die Band die Liedermacherkunst perfektioniert und fast jedes Jahr ein neues Album aufgenommen. Ihr jährliches Konzert im Logo sowie das „Katerkonzert“ am nächsten Morgen sind längst Kult. Wenn sie nicht mit den Monsters auf der Bühne stehen, sind die sechs Mitglieder solo oder in Bands wie Das Pack und Die Schröders aktiv.

www.monstersofliedermaching.de

 

ZUR MUSIK

Eineinhalb Jahre haben die Monsters of Liedermaching pausiert, um sich anderen Projekten zu widmen. Ihr neues Album trägt deshalb nun den programmatischen Titel „Wiedersehen macht Freude“. Wie immer wurde es live auf Tour aufgenommen. Die 17 Songs handeln laut Pensen und Totte von Verständigung und Verständnis: von „niedlichen Tieren, der NSA, dem ‚Fisseln’, innerlicher Unruhe, von Einsamkeitsgefühlen durch Nachbarn, die Sex haben, von Cola-Korn und dem Landleben“ – verpackt in abwechslungsreichen Liedermacher-Stücken.

 

 

MONSTERS OF LIEDERMACHING live in Hamburg

Datum: 30. April // 1. Mai 2016 Ort: Logo

Einlass: 20 Uhr // 14 Uhr Beginn: 21 Uhr // 15 Uhr

Tickets: ausverkauft

 

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